Franchising ist für renommierte Wirtschaftswissenschaftler und Trendforscher die Vertriebsstruktur mit dem größten Zukunftspotential. Basierend auf der Partnerschaft selbständiger Unternehmer kann mittels Franchising die maximale Stärke der beteiligten Partner aktiviert werden. Um dieses Potential zu heben, braucht es eine professionelle Herangehensweise und kompetente Beratung. Mit über 25 Jahren Beratungs-Erfahrung und bis dato über 1200 erfolgreich durchgeführten Franchise-Projekten sind die SYNCON International Franchise Consultants Marktführer in der Franchiseberatung im deutschsprachigen Raum.
Frau Mag. Waltraud Martius, Inhaberin und Geschäftsführerin von SYNCON, Mitbegründerin und Ehrenpräsidentin des “Österreichischen Franchise-Verbandes” (ÖFV), Dozentin und erfolgreiche Buchautorin, hat mit mir über den „Faktor Mitarbeiter“ in Franchise-Systemen gesprochen:
„Ein professionelles Human Resources Management ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für ein Franchise-System und jeden einzelnen Franchise-Nehmer.“ Was sagen Sie zu diesem Statement, Frau Martius?
Das ist absolut richtig, weil die meisten der Franchise-Nehmer im deutschsprachigen Raum nicht alleine, sondern mit Mitarbeitern arbeiten. In Österreich beispielsweise hat ein Franchise-Nehmer im Durchschnitt 8 Mitarbeiter. Egal ob Dienstleistungsfranchising, Vertriebsfranchising oder Produktionsfranchising – die Franchise-Nehmer agieren meist nicht als Einzelpersonen am Markt. Im Franchising ist es die Hauptaufgabe eines Franchise-Gebers, die Franchise-Partner von Nebenfunktionen und von Arbeiten, die eine Zentrale gleich gut oder besser machen kann, zu entlasten. Das ist deswegen so wichtig, weil der Franchise-Partner entlastet werden muss, damit er sich auf 2 wesentliche Dinge konzentrieren kann:
Erstens auf seinen Kunden, um das richtige Produkt oder die richtige Dienstleistung an den Mann oder die Frau zu bringen und zweitens – und hier ist die Frage, ob das nicht sogar an erster Stelle stehen sollte - auf die Führung seiner Mitarbeiter. Alle anderen Aufgaben wie Marketing, Controlling, EDV und die Entwicklung von überregionalen Tools soll die Franchise-Zentrale im Hintergrund leisten.
Wo stehen die Franchise-Systeme im deutschsprachigen Raum in Bezug auf Personalarbeit?
Ziemlich am Anfang. Es gibt natürlich die berühmten Ausnahmen, die schon sehr viel in diesem Bereich tun und die Franchise-Nehmer sehr gut unterstützen. Aber tendenziell hatten wir in den letzten Jahren eher die Einstellung, dass das Thema Mitarbeiter von Seiten der Franchise-Zentrale relativ wenig unterstützt wurde. Sicherlich auch auf Grund von Ängsten z.B. vor einer arbeitnehmerähnlichen Positionierung des Franchise-Partners, so nach dem Motto „Der Franchise-Partner ist selbständiger Unternehmen und muss sich selbst um die Mitarbeiter kümmern.“. Das ist generell natürlich richtig, aber man kann und sollte auch im Bereich Personal die Synergien in einem System nützen.
Auf Grund dieser Einstellung haben sich aber bis jetzt nur sehr wenige Franchise-Zentralen im deutschsprachigen Raum Gedanken gemacht, wie sie die Franchise-Partner im Bereich Personalmanagement und –entwicklung professionell unterstützen können. Vielleicht abgesehen von einigen Basics, wie eine Stellenbeschreibung oder eine Vorlage für Suchanzeigen. Hier schlummert aus meiner Sicht ein riesiges Potential, denn zufriedene Kunden kommen primär durch zufriedene Mitarbeiter.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen dabei?
Die sehe ich darin, eben diese Einstellung zu überwinden. Der Franchise-Partner ist und bleibt selbständiger Unternehmer, kann aber trotzdem anerkennen, dass man gemeinsam im Bereich HR Tools entwickelt, die dann allen zu Gute kommen.
Dafür muss der Franchise-Partner auch lernen, professionelles Personalmanagement tatsächlich umzusetzen. Und da müssen natürlich die Franchise-Geber selber mit gutem Beispiel vorangehen. Sehr oft sehen wir, dass in den Pilotbetrieben oder den company owned stores das Personalmanagement durchaus auch noch Entwicklungspotential hat.
Was würden Sie Franchise-Systemen in Bezug auf HR raten?
Bei gerade entstehenden oder neu entwickelten Franchise-Systemen rate ich, von Anfang an ein professionelles Personalmanagement anzudenken und sich Gedanken zu machen, wie der Franchise-Partner in diesem Bereich unterstützt werden kann. Welche Tools kann man ihm an die Hand geben im Bereich Mitarbeitersuche, Mitarbeiterauswahl, Mitarbeiterführung, Mitarbeitergespräche, Kündigungsgespräche etc. etc.? Da rate ich, mit Experten zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass man nichts vergisst und professionell entwickelte Instrumente zur Verfügung stellt. Des Weiteren sollten unbedingt im Rahmen der Basisausbildung von neuen Franchise-Partnern die Themen des Personalmanagement Berücksichtigung finden. Das ist bisher leider bei den wenigsten Grundausbildungen der Fall.
Bei bereits bestehend Franchise-Systemen rate ich sehr, die Beiräte, die es ja bereits in 80% der Franchise-Systeme gibt, mit einzubinden und mit den Franchise-Partnern gemeinsam zu erarbeiten: Wo krankt´s? Wo ist der Bedarf und wo brauchen Franchise-Partner Unterstützung? Welche Instrumente fehlen noch? Also sollte man Meetings ansetzen, z.B. eine Beiratssitzung ausschließlich zu diesem Thema, oder den Bereich als großen Agendapunkt bei Jahrestagungen einplanen.
Bei der Konzeption der Instrumente – egal ob für neue oder bestehende Systeme – muss man sich sehr individuell pro System Gedanken machen. Ich glaube nicht, dass man das alles über einen Kamm scheren kann. Auf jedes System müssen die Tools individuell abgestellt werden, da kann man nicht einfach von irgendwoher bestehende Tools übernehmen.
Und als letzten Rat: Laufend in Ausbildung und Training für die bestehenden Franchise-Partner – insbesondere zum Thema Mitarbeiterführung und Handhabung der HR-Instrumente – investieren.
Sie sind ja Autorin des Buches „Fairplay Franchising“, das inzwischen in der 2. Auflage erschienen und bereits ausverkauft ist. Welche Rolle spielt das Fairplay Franchising Konzept beim Thema Personalarbeit?
Auf der Ebene Franchise-Geber und Franchise-Partner spielt das Fairplay im Sinne einer langfristigen partnerschaftlichen Strategie, um gemeinsam wirtschaftlich erfolgreich zu sein, eine große Rolle. In der Beziehung des Franchise-Partners zu seinen Mitarbeitern ist das genauso. Hohe Fluktuation im Bereich der Mitarbeiter kostet genauso viel Geld wie hohe Fluktuation im Bereich der Franchise-Partner. Und langfristig erfolgreiche, motivierte und zufriedene Mitarbeiter zu haben, ist für den wirtschaftlichen Erfolg aller Beteiligten sicherlich der richtige Weg. Es ist ein persönliches Credo von mir, dass ich zu 100% der Meinung bin, dass das nur mit einer partnerschaftlichen Art und Weise – mit klaren Richtlinien natürlich, mit klaren Standards und Leitsätzen, aber immer partnerschaftlich – funktioniert.
Frau Martius, herzlichen Dank für das Interview.